Einige Augenblicke bleiben mir noch um meine Unterkunft für die nächsten Tage dingfest am Erdboden zu verankern, kurz darauf folgt die lange Dunkelheit, welche die verhasste Winterzeit mit sich bringt. Etliche Stunden später weht mir die prophezeite warme Südströmung ins Gesicht, es ist kaum zu glauben dass die hiesigen Wetterprognosen tatsächlich der Realität entsprechen. Aufgrund dieser Konstellation offenbaren auch die Seebewohner immer häufiger ihre Aktivität an der Wasseroberfläche. Kein klingender Gesang durchbricht die Finsternis, einzig eine Armada von Nagetieren bringt mich um den Verstand beim Versuch mein Domizil zu erobern.
Ein wunderschöner Morgen mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang lässt die Natur in den Herbstfarben erstrahlen. Ich genieße gerade die wärmenden Sonnenstrahlen, die wie Balsam auf die Seele wirken, als schließlich ein sehr vertrautes Geräusch meine Aufmerksamkeit erregt. Die Freilaufwinde meiner rechten Rute kreischt um ihr Leben.
Es dauert eine Weile bis ich mit meiner Nussschale über dem Wesen der Wasserwelt treibe, es legt sich gewaltig ins Zeug und zieht mich über die mittlerweile spiegelglatte Wasseroberfläche in alle Himmelsrichtungen. Das geflochtene Band zwischen mir und dem Eingeborenen der Unterwasserwelt kratzt offenbar Rillen in die Ringe. Kurz ergattere ich einen Blick auf mein Objekt der Begierde. Wahnsinn, vor mir im ungefähr viereinhalb Meter tiefen Wasser zieht eine alte Bekannte ihre Bahnen, und schießt mit unglaublicher Geschwindigkeit unter meinem Boot hindurch. Eine Pirouette nach der anderen dreht sie mit mir auf dem See. Wie ein Tanz wirkt der Widerstand der gewaltigen Dame. Zusehens schwindet ihre Energie bis letzten Endes ihre Flanke die Gewässeroberfläche durchbricht. Sanft gleitet ihr massiger Leib in das Geflecht meines Keschers…
…eine herrliche Begegnung mit der Königin des Sees.Bis Bald…
Chris R.
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