Voller Euphorie und Tatendrang verlasse ich zur Mittagsstunde meinen Arbeitsplatz, um mich wieder einmal mit völlig überdimensionierter Ausrüstung auf den Weg Richtung See zu begeben. Nach einem Rundgang entschließe ich mich für eine ruhige unscheinbare Bucht, in der sich einige Karauschen im Schutze der überhängenden Bäume entdecken lassen. Von der Bucht aus lässt sich ein Großteil des Gewässers überblicken. Gerade im Frühling sind die unscheinbaren Bereiche und deren Uferkanten meine bevorzugten Angelzonen. Unterspülte Ufer, überhängende Bäume oder beispielsweise Schilfgürtel zählen ebenso zu den oft vernachlässigten Angelplätzen. Die seichten Uferpartien erwärmen sich weitaus schneller als der Rest des Sees und diese Gegebenheit zieht bekanntlich Fische an.
Viel Futter benötige ich nicht für mein Vorhaben. Das Vorfach umhülle ich mit einem PVA Beutel, gefüllt mit halbierten und zerquetschten Boilies. Die PVA Beutel bieten einige Vorteile, wie mehrere Köder in direkter Hakennähe, ein am Gewässergrund sauber ankommendes Vorfach und einen im Futter versteckten Haken. Meine Standardvorfächer kürze ich auf etwa 12-15 cm um die Karpfen aufgrund ihrer geringen Aktivität sowie der eng begrenzten Fressplätze die ich mit den PVA Beuteln erzeuge, optimal zu haken.
Etwa eine Handvoll meiner Köder verteile ich gerne nach dem Ablegen oder Werfen der Montage um den Hakenköder. Vom Ufer aus bietet sich die Verwendung einer Schleuder an, da diese gerade bei kurzen Entfernungen einfacher zu nutzen ist als ein Wurfrohr. Die Verwendung eines Bootes oder ferngesteuerten Futterbootes erweitert den Aktionsradius des Anglers ungemein. Die eher geringe Ködermenge sollte auf jeden Fall ausreichen, da der Stoffwechsel der Karpfen bedingt durch die erst kürzlich vergangene Winterzeit nur sehr langsam arbeitet. Meine Montagen verteile ich in Tiefen zwischen 1,5 und 5 Metern ober- und unterhalb der Uferkante. Dabei verteile ich die zusätzlichen Köder vom seichten bis hinab ins tiefe Wasser, um allenfalls patrouillierende Fische im gesamten Tiefenbereich der Angelstelle zu erreichen. Als Köder dient wieder einmal die Monster Crab XL Perle.
Nachdem meine Fallen nun endlich scharf am Seegrund liegen, genieße ich die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages. Gegen Mitternacht vernehme ich die ersten leisen Töne meiner Funkbox, danach herrscht Funkstille. Kurze Zeit später, ein kurzer Dauerton und ehe ich mich versehe stehe ich mit gekrümmter Rute, nach einer Abfahrt über die Böschung, knietief im Wasser. Der Fisch leistet den Wassertemperaturen entsprechend kaum Gegenwehr und wandert in die Maschen meines Keschers. Der Anblick des Rückens, der aus dem Netz ragt, zaubert ein zufriedenes Lächeln in mein Gesicht. Kaum zu glauben, ist dieser Karpfen doch mein Erster dieser Saison und dieser besitzt gleich das Format eines Wasserbüffels.
Im weiteren Verlauf der Nacht rasselt noch eine meiner Ruten ab, deren Gegenüber ich aber leider nicht zu Gesicht bekomme. Am folgenden Morgen wurde die Schönheit für das Album abgelichtet und wieder in ihre Heimat entlassen.
Ein gelungener Start ins neue Angeljahr, der mit der richtigen Vorgehensweise, einem guten Köder und einer gehörigen Portion Glück gelungen ist! Ich hoffe euch gelingt ebenfalls ein erfolgreicher Saisonauftakt!Bis bald
Christian Rurlander

















